Ein Blick in die Historie der Dresdener Zierfischbörsen nach 1945
Als Dresden noch in Schutt und Asche lag und die Vereinsarbeit zumeist noch ruhte, waren die Altvorderen des "Kampffisch" bereits dabei ihren Verein wieder mit
Leben zu erfüllen. Nie hatten sie ihren Verein aufgegeben, selbst als Bomben fielen traf man sich und sei es nur darum, um zu beraten, wie die umfangreiche
Bibliothek und das Inventar in eine friedliche Zukunft gerettet werden könnte. Da wunderte es nicht, dass im damaligen Haus des Handwerks, der Villa Sankt Remo
unterhalb des Louisenhofes, bereits 1946 eine Zierfischbörse durchgeführt wurde.
Die Behälter, in denen die Fische und Pflanzen angeboten wurden, muten aus heutiger Sicht abenteuerlich an. Neben Akkugläsern und aufgeschnittenen
Ölkanistern, wurde in Gurkengläsern und den wenigen, über den Krieg geretteten, Gestellbecken angeboten.
Alte Protokolle geben das Erstaunen der Vereinsmitglieder wieder, die den immensen Andrang nicht für möglich gehalten hatten. Als später in der Gaststätte
Löwenbräu eine Wiederholung stattfand, war das Interesse nicht minder. Ab 1952 gab es auch wieder Ausstellungen, die Erste ebenfalls im "Sankt Remo", und
danach wurden Börsen veranstaltet. Ungebrochen die Nachfrage nach Aquarienpfleglingen. Was für einen Lebensmut müssen die Dresdener, angesichts der
Ruinen, gehabt haben um sich schon wieder, mit den schönen Dingen des Lebens, so wie es die Aquaristik darstellt, zu umgeben.
Als sich die Vereine in den 50'er Jahren mittlerweile Fachgruppen nannten und es unter der "Schirmherrschaft" des Kulturbundes zu einem (Wieder-)
Gründungsboom kam, wetteiferten die einzelnen Gruppen auch im Durchführen von Zierfischbörsen.
In den 70'ern gab es 12 und mehr Börsen jährlich in Dresden, zumeist gedrängt durchgeführt im Frühjahr und Herbst. Dabei kam es den Organisatoren
offensichtlich nie in den Sinn, eine gemeinsame Börse zu organisieren ( oder war eine so große Örtlichkeit nicht aufzutreiben?), so wie es die Aquarianer in Leipzig
sehr erfolgreich vorgemacht hatten und womit die Attraktivität ihrer Veranstaltungen stark erhöht wurde.
So kochte jede Fachgruppe ihr eigenes Süppchen im eigenen Eizugsgebiet. Die FG "Wasserrose" war zumeist in Klubhäusern in Niedersedlitz, Reick oder Prohlis
präsent und die damalige FG "Kampffisch" bot ihre Leistungen in Mickten an, zeitweilig auch im Zoo und anderswo.
Besonders erfolgreich war aber die FG "Aquarienkunde - Dresden-West". Ihre Rekordbörsen wurden von keiner anderen Gruppe erreicht und das dürfte DDR-weit
gegolten haben.
Zuerst in den Veranstaltungslokalen durchgeführt, war der Rahmen bald zu eng und und im Frühjahr 1981 konnte sie in die Räume der Staatsbank, Julian-Crimau-
Allee, gegenüber des Kronentores des Zwingers, ausweichen. Hier zeugte der, wiederum stark angewachsene, Andrang davon, dass die Aquaristik in Vollblüte
stand. Nach dreimaliger Durchführung, dort im Herzen der Stadt, war auch dieser Rahmen gesprengt. Verkehrsbehindernde Warteschlangen bis weit in den
Postplatz hinein, waren an der Tagesordnung.
Ab der Herbstbörse 1982 konnte die führende Zierfischbörse in der Mensa der Hochschule für Verkehrswesen, auf der Hochschul/Ecke Reichenbachstraße
durchgeführt werden.
Großzügische Räumlichkeiten und vielfältigste züchterische Leistungen der Fachgruppenfreunde und ihrer geladenen Gäste, sorgten dafür, dass die "Mensa-
Börse" eine allererste Adresse für Aquarienfreundinnen- und Freunde wurde. Besucher von Berlin bis Suhl, von Stralsund bis Erfurt und von Magdeburg bis Leipzig,
nutzten das tolle Angebot an Zierfischen und Wasserpflanzen. Es kam, wie es kommen mußte, es gab wieder Warteschlangen von ungekannter Länge und Breite.
Es kam einmal so weit, dass wegen unserer Besuchermassen, die Route eines Radrennens neu gesteckt werden mußte!
Weiterhin wollen wir uns angesichts heutiger "Erlöse, die kaum die Raummiete decken", träumend daran erinnern, dass den damaligen Börsenkassierern ( bis zu 6
an der Zahl) in den drei Stunden der Herbstbörse am 30.10.1988, 24000 Mark durch die Finger gingen. 10 % davon blieb stets in der Fachgruppenkasse und war
ein wichtiger Grundstock für das Gestalten eines abwechslungsreichen und interessanten Vereinslebens.
Mit der Wende 1989 kam der große Einbruch. Ich war damals Vorsitzender dieser FG und ich erinnere mich an die langen Gesichter aller beteiligten, als der
Gewinn nicht einmal zur Deckung der Raummiete ausreichte. Damit war erst einmal Schluß mit Aquaristik-Börsen in Dresden.
Wir durften die Mensa nicht mehr nutzen und hätten es uns auch nicht mehr leisten können. Auch kamen wir, trotz vieler Versuche, nicht an unsere, dort
eingelagerten, Börsenaquarien heran. Später erfuhren wir, dass diese, bei der Rekonstruktion des Hauses, durch die Bodenfensterluken abwärts, Richtung
Schuttcontainer, gegangen waren. Damit, auch weil es anderen Gruppen, so es sie nach der Wende überhaupt noch gab, ebenso erging, schien die Ära der
Dresdener Zierfischbörsen beendet.
Mitte der 90'er Jahre startete unsere Partnergruppe "Wasserrose" einen erneuten Versuch im Botanischen Garten auf der Stübelallee. Zunächst im "Sozialtrakt",
das ist eine Baracke, die noch heute den Flair sozialistischen Arbeitsalltages versprüht, durchgeführt, mußte beim nächsten Mal in ein altes "Abstell-Gewächshaus"
umgezogen werden. Damit war das neuerliche AUS vor-programmiert.
Erst als unser neuer Verein "Kampffisch", der durch die Vereinigung des AV "Aquarienkunde Dresden-West und des AV "Kampffisch" 1992 entstand, im Haus der
Begegnungen in Dresden-Trachenberge, eine dauerhafte Heimstatt gefunden hatte, konnte wieder an die regelmä- ßige Ausrichtung von Börsen gedacht werden.
So konnte das "Dresdener Blätt'l" unter der Überschrift: "Das HdB stand unter Wasser .... ...und alle freuten sich..." berichten, dass am 17. November 1996, in
Anlehnung an eine Tradition, die bis in das Jahr 1946 zurück reicht, im Hause erstmals wieder eine Zierfischbörse durchgeführt wurde.
Sicher reichen wir mit unseren Nachwende-Börsen bei Weitem nicht an die Erfolge vergangener Zeiten heran, aber ein Anfang war gemacht und wir haben wieder
zufriedene "Stammkunden".
Nun gilt es, unsere DRESDENER ZIERFISCH- UND WASSERPFLANZENBÖRSE bekannter zu machen. Denn nur wenn der Kreis der Interessenten größer wird,
wird es auch lohnen, Zuchtbemühungen zu verstärken.
Dieser Bericht soll dazu dienen, Sie als Besucher unserer Homepage, auch in unserer Mitte, zu unseren Börsen, begrüßen zu können.
Das wünscht sich
Bernd Schwabe
Ehrenvorsitzender
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