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Der Zwergkärpfling – ein liebenswerter Winzling
Im Laufe der Jahre habe ich, aus der großen Palette pflegenswerter Zierfische, so manche Art in meinen Aquarien
gehalten. Das waren die verhaltensinteressanten Zwergbuntbarsche, Welse in den unterschiedlichsten Gattungen und
Arten, und selbst den König der Aquarienfische, den Diskusbuntbarsch habe ich schon gepflegt. Interessante
Pfleglinge sind auch die verschiedensten Wirbellosen.
Durch den Einfluß von meinem Vereinsfreund Thomas Milkuhn (dem „Oberkilli“ des DKG-Stammtisches Dresden)
habe ich mich in letzter Zeit verstärkt den Eierlegenden Zahnkarpfen, eben den Killis, zugewandt.
Trotz wechselnder Interessen blieb ich einem Fisch über alle Jahre treu und es fand sich immer irgendein Becken, um
dem Zwergkärpfling Heterandria formosa AGASSIZ 1853, Gastrecht zu gewähren. Dieser Lebendgebärende
Zahnkarpfen, dessen Weibchen maximal 40 mm und die Männchen gar nur 20 mm im ausgewachsenen Zustand
werden, zählte lange Zeit zu den kleinsten bekannten Wirbeltieren überhaupt.
Aufgrund dieser Maße ist der Zwergkärpfling mit minimalsten Becken zufrieden, sofern diese nur gut bepflanzt und
nicht zu warm sind. Die liebenswerten Pfleglinge vertragen zwar Temperaturen bis ca. 28°C, jedoch sind die Tiere
bei 20 bis 22°C Dauertemperatur (mit möglichst einer Nachtabsenkung um ca. 3°C) deutlich besser in Form.
Zwergkärpflinge sind sogar für eine Freilandhaltung in den Sommermonaten geeignet. Sie vertragen dort problemlos
Nachttemperaturen bis ca. 15°C und vermehren sich dabei reichlich.
Unser Kärpfling stammt aus Südkarolina bis Florida, wo er kleine Gewässer mit dichter, vor Freßfeinden schützender
Vegetation, besiedelt. In offenen Gewässern hält er sich nie auf, er bevorzugt krautige Tümpel, verwachsene Gräben,
morastische Sümpfe und Wasserlöcher. Hier lebt er von kleinstem Plankton und überwiegend von Anflugnahrung
entsprechender Größe.
Im Aquarium ist unser Zwerg mit fast jeder „maulgerechten“ Futtersorte, auch Trockenfutter zufrieden. Er benötigt
nicht unbedingt sehr große Becken, bei normalen Zimmertemperaturen keine zusätzliche Heizung und ist insgesamt
als sehr anspruchslos zu bezeichnen.
Ein idealer Anfängerfisch, der mir aber auch heute noch, da ich schon länger im Aquaristik-Hobby etabliert bin,
große Freunde bereitet.
Daher verwundert es um so mehr, dass er trotzdem, seit seiner deutschen Ersteinführung 1912 durch die bekannte
Firma Carl Siggelkow/Hamburg, nie eine feste Größe in den Becken der Aquarienliebhaber geworden ist. Woran
liegt das ?
Die wenigsten Aquarianer halten ihre Lieblinge in einem Artenbecken für sich. Im Gesellschaftsaquarium hat es
unser „Kleiner“ aber äußerst schwer. Selbst wenn seine Begleitfische mit Bedacht ausgewählt wurden,- am ehesten
eignen sich Guppys, Platys und kleine Arten der Salmler, wird ihm eine arteigene Besonderheit zum Verhängnis, die
man von anderen Arten der Lebendgebärenden nicht kennt. Die Weibchen des Heterandria formosa, werfen
überwiegend einzelne Junge, allerdings während der Wurfphase ( 10 bis 14 Tage ) fast täglich. Die Jungfische haben
eine Besonderheit, ihnen fehlt ein Fluchtverhalten. Im Gegensatz zu ihren Vettern wie Guppy, Platy und Xipho,
suchen sie keine Distanz zum (kannibalischen) Muttertier. Im Gegenteil , sie zeigen gegenüber ihren Artgenossen
sogar eine gewisse Vertrautheit, sie schwimmen also nicht weg wie andere juvenile Lebendgebärende. Dadurch
werden sie von den anderen Zwergkärpflingen nicht als mögliches Futter angesehen und bleiben somit unbehelligt.
Sind jedoch andere Fischarten im gleichen Becken, so wird ihnen genau dieses Verhalten zum Verhängnis. Sie fallen
fast komplett den anderen Fischen zum Opfer.
Übrigens habe ich einmal aus Platzmangel frisch geborene Jamaikakärpflinge (Poecilia) Limia
melanogaster GUENTHER1866, zu erwachsenen Zwergkärpflingen gesetzt, ganz auf das friedliche Wesen dieser
Zwergart vertrauend. Das angeborene Fluchtverhalten der kleinen „Jamaikaner“ kostete fast allen von ihnen das
Leben. Die Zwergkärpflingsweibchen fraßen innerhalb kürzester Zeit fast alle kleinen Jamaikakärpflinge, ihre
eigenen, nicht fliehenden Jung-
fische, blieben dagegen unbeschadet.
Am besten pflegt man deshalb Heterandria formosa im Artbecken. Dort kann man alle Verhaltensweisen genau
verfolgen und unser „Kleiner“ ist ein sehr interessanter Aquarienbewohner, auch wenn ihm die plakativen Farben,
beispielsweise des Guppys (Poecilia)
Lebistes reticulata PETERS 1859, fehlen.
Die Männchen können sich minutenlang in Antiparallelstellung umkreisen. Dabei zeigen beide Tiere ein extremes
Hohlkreuz und straff gespannte Flossen. Schließlich gibt ein Rivale auf und wird danach durch das ganze Becken
gejagt. Nach zwei, drei Runden geht das ganze wieder los. Kommt aber ein Weibchen vorbei, wird der Kampf
unterbrochen und jetzt wird imponiert und das beherrschen unsere kleinen Freunde am Besten.
Bei diesen Kobolden ist einfach immer etwas los.... Ein Grund dafür, dass mich der Fisch nicht mehr losgelassen
hat.
Ich pflege übrigens meine Zwergkärpflinge seit einigen Jahren gemeinsam mit südamerikanischen Glasgarnelen, was
eine ideale Kombination darstellt. Beide können, ungestört vom Anderen, ihr Verhaltensspektrum völlig ausleben.
Ich würde mich freuen, wenn ich Interesse an diesem „Alteingesessenen“ geweckt habe.
Interessierten Liebhabern, kann ich jederzeit einige meiner „Formosas“ abgeben.
Jens Adam