Haus der Begegnung - Gaststätte Zeitgeist, Großenhainer Str. 93, 01127 Dresden Beginn: 19.30Uhr Copyright by Aquarienverein “ Kampffisch “ Dresden e. V.    Wir haben es gut getroffen. Das war nicht immer so und viele Vereine in Kultur und Brauchtum, sowie im Hobbybereich, kämpfen noch heute gegen dieses Problem an. Vor der Wende mangelte es an Gaststätten, vor allem an solchen, mit Vereinszimmer. Hatte man Glück und den Wirt überzeugt, dass es nichts Besseres gibt, zum Befördern des Umsatzes, als einen sich dort regelmäßig treffenden Verein, da hatte dieser schon festgestellt, dass eine Hochzeit u.ä. an den betreffenden Freitagabenden, es viel kräftiger in der Kasse klingeln läßt. Oder das "Vereinszimmer" war so mini, dass beim Besuch von drei Gästen über den Plan, diese stehen bleiben mußten, oder die Bildwand konnte nicht aufgespannt werden. Schon war man wieder auf der Suche und wiederum mit viel Glück, wurde man in einem sogenannten "Klub der Werktätigen" aufgenommen. In diesen Wohngebietsklubs wurde man zumeist in deren Veranstaltungsplan mit eingebunden, ohne dass je einer der angesprochenen Klubnutzer je zu Aquarianers kam. Abends war man ohnehin lieber zu Hause vor der Klotze, wo man sich zudem noch kulinarische Freuden bereiten konnte. Im Klub gab es in der Regel keine gastronomische Betreuung. Hier war Eigeninitiative gefragt und die obligate Bockwurst wurde warm gemacht und Getränke mußten rangeschleppt werden. Zumeist war dass, was man gerne trinkt, vergriffen und ehe man an das "Anstands-Getränk" für den Referenten dachte, war alles ausgepischelt. Irgendwann hatte man das satt, vorallem wenn zum x'ten Mal wegen der Volkswahl, oder Arbeiterfestspielen oder Veteranentreffen und anderen wichtigen Dingen, die programmgemäße Durchführung der Vereinsabende nicht möglich war. Da konnte es vorkommen, dass man auf der Bank im Park "tagte". Das ging im Sommer, ... - also wieder auf Suche gehen! Gartenspartenheime haben einen einheimelnden Flair von Einfachheit, aber wenn der Wirt was taugte, dann konnte man den Abend zumindest in gastronomischer Hinsicht gut und preiswert verbringen. Gefroren hat man zur Winterzeit immer. In bewirtschafteten Gartenheimen weniger, unbewirtschaftet zumeist viel mehr. Da war man gut beraten, Wollsachen und Decke dabei zu haben. Unverhofft aufgekreuzte Gäste, nicht ausgerüstet, kamen nie wieder! Für unsere Senioren wurde in der DDR bekanntlich im Freizeitbereich einiges getan und die "Klubs der Volkssolidarität" waren tagsüber rege frequentiert. Da bot sich eine Nutzung am Abend an und war die Leiterin verständnisvoll und vorausschauend, bekamen die Aquarianer Gastrecht. Dafür "durften" sie überall dort tätig werden, wozu die Kasse zu knapp und die Rentner zur Selbsthilfe zu alt waren. So wurden Möbel aufgebaut und verrückt, Gardinen genäht und aufgehangen, Vorträge den alten Leutchen gezeigt und manche Spende dargebracht. Auch ein Aquarium mußte her und auf die abendlichen Klubbenutzer verweisen. Dafür durften auch die Zierfischbörsen durchgeführt werden, zumal danach eine gründliche Generalreinigung in allen Räumen angesagt war. Das ging solange gut, bis eine neue Leiterin ihr Amt antrat, den Kopf voller Ideen und in Erinnerung an all die Wasserpanscherei, die sie bis zur Scheidung vom Aquarianer- Ehemann erleiden mußte. Also raus hier: Was woanders Tradition hat, gestaltet sich in Dresden schwierig und wenn es trotzdem eine kurze Zeit lang ging, muß es ein Versehen gewesen sein. Unterkunft im Zoo. Stolz trug der Verein, der zu damaliger Zeit noch FACHGRUPPE hieß, im Namen den Zusatz "im Zoologischen Garten". Der Tagungsraum war geräumig, wodurch er oft als Abstellraum zweckentfremdet war und man sich erst Platz schaffen mußte. Natürlich gab es hier auch keine Bewirtung und Selbstversorgung war unmöglich. Pünktlichkeit war angemahnt. Das "Vereinslokal" mußte unter Führung des Pförtners in geschlossener Formation aufgesucht werden. Wer zu spät kam, den bestrafte das Leben und er mußte sich den Abend vor dem Fernseher gestalten. Börsen konnten hier nur nach Entrichtung des Zoo-Eintrittgeldes besucht werden, was ernsthafte Interessenten abhielt und Platz für's zusätzliche Gucken der Zoobesucher schaffte. Alles nicht so ideal wie ursprünglich angedacht. Da waren die Vereinsfreunde so traurig nicht, als der Aquarienverein, dem neuen Direktor nicht mehr in das Konzept ( so nach Prof.Ullrich je einer wieder eines gehabt haben sollte!) passte und gehen mußte. Die Odyssee ging über weitere Stationen, mehr oder weniger beglückend, aber nie befriedigend. Schlagartig sollte sich unsere Situation verbessern. Nach der Wende, wo wir längst nicht mehr daran glaubten, dass die neue Zeit wirklich etwas für die kulturelle Freizeitbetätigung ihrer Menschen übrig hat, kam unsere Wende, bekam unserer Verein eine feste Heimstatt. Im März 1996 war ich noch Abonnent der DDN und beim Durchblättern fiel mir eine Annonce auf. Darin gab die PDS ihren Anhängern und weiteren Interessenten bekannt, dass sie der Defakto-Enteignung ihres damaligen Parteihauses entgegnet sind und das "Haus der Begegnungen" erworben haben. Die Anzeige lud zur festlich-fröhlichen Eröffnung ein. Ich war dort und fand offene Ohren. Der Verein durfte das Emporezimmer der, im HdB ansässigen Gaststätte "Deutsches Haus", wie sie damals noch hieß, kostenlos nutzen. Am 12.April 1996 trafen wir uns in unserer Empore und mit dem Vortrag "Nepal im Thronsaal der Götter" von Thomas Jacob, fühlten wir uns wie im 7. Himmel. Der Wirt Matthias Weise gab sich redliche Mühe und wir fühlten uns leidlich wohl, auch wenn nicht zu vermeiden war, dass die Geräuschkulisse des unter uns liegenden Großen Saales , bei PDS-Delegiertenkonferenzen, Experimentalmusik, Lesbenball und ähnlich schmerzhaften Tönen, zu uns hinauf drang. Eines Tages stand ein Wirtswechsel ins Haus und plötzlich fanden wir uns in der Gaststätte "Zeitgeist" wieder. Hatte sich der Namen geändert, befürchteten wir Einschnitte, die unsere gewissen, inzwischen erworbenen Privilegien, beschneiten könnten. Es dauerte nur kurze Zeit und beide Seiten hatten ihre Aufwärmphase hinter sich gebracht und die Sympathie beruht seither auf Gegenseitigkeit. Nachdem sich in unserem Emporezimmer ein Billardtisch breit gemacht hatte und wir im Saal tagen dürfen mußten, von einer feuchtfröhlichen Geburtstagsgesellschaft, nur durch eine Spanische Wand abgeschirmt, glaubten wir daran nicht mehr. Inzwischen werden wir von den Wirtsleuten Verena und Olly aufs Beste umsorgt und ich denke, die Aquarianer sind gefräßig genug, mit ausreichendem Durst, dass sie ganz gute Umsatzbringer sind und immer gern gesehen werden. Dem Emporezimmer trauern wir nun nicht mehr hinterher, den unsere Mitgliederentwicklung ist wieder positiv und wir brauchen jetzt schon den Platz des Saales für unsere Vorträge, wie für unsere Zierfischbörsen. Im Herbst 1996 haben wir die Neuauflage nach der Wende gewagt, sehr zur Freude der Aquarienfreunde Dresdens und der Region. Inzwischen sind wir keine Kostgänger mehr und der Inhalt unserer, zu den Vereinsabenden herum gehenden, Spendenbüchse, wird für den Unkostenbeitrag geleert. Dieser ist aber sehr moderat und unsere fairen Partner beim Förderverein "Haus der Begegnungen" und der Vermieter PDS, legt ihn dergestalt fest: "Gebt was ihr könnt, aber fühlt euch wohl bei uns und erfüllt unser Haus mit Leben." Das tun wir gern und gemeinschaftlich können wir "Kampffische" sagen, dass wir uns hier immer sehr wohl fühlen und keine bessere Heimstatt für unseren Aquarienverein "Kampffisch" vorstellen können. "Gott und Karl Marx im Himmel, erhaltet uns das HdB noch lange". Welche Sorge hatte man, als Vorsitzender in der Vergangenheit, um ein geeignetes Veranstaltungslokal für die Gruppe zu finden. Eines, wo wir gern gesehen sind und gern wiederkommen. Als ich den Vereinsmitgliedern, zu jener Zeit, den Vorschlag machte, in einer Einrichtung der PDS zu tagen, gab es viel Skepsis und auch offene Ablehnung. Ich habe dem getrotzt, auch persönlichen Anfeindungen. Die "Rote Socke", wie ich hinter vorgehaltener Hand genannt wurde, bin ich gern. Der Erfolg macht gegen so etwas immun. Heute sind derartige Stimmen verstummt, vielleicht auch, weil unsere Gastgeber eine Politik machen, die der sinnvollen Freizeitbeschäftigung der Bürger, zugetan ist. Bernd Schwabe Ehrenvorsitzender